Bild

Die niederschwellige Verfügbarkeit einer Kamera eröffnet unzählige Perspektiven fürs Lernen: dokumentieren, erzählen, gestalten, beobachten…

Einsatzbereiche und Unterrichtsideen

Zyklus 1

Mit der Kamera wird das Auge geschärft, man sieht näher hin, entdeckt Formen, Strukturen, Licht und Schatten. So manches Bild lässt Details erkennen, die einem mit blossem Auge und während des Fotografierens entgangen sind.

Die Bildlesekompetenz ist in der heutigen Mediengesellschaft enorm wichtig, denn bereits Kindergartenkinder sind mit veränderten Bildern konfrontiert. Wenn sie wissen (und in aktiver Medienarbeit erfahren), wie einfach ein Bild verändert werden kann, hilft ihnen dies beim Einordnen der Bilder, die sie in ihrer Umwelt antreffen. Ein wesentlicher Teil der Medienkompetenz ist demzufolge die Fähigkeit, Realitätsgehalt von Medienbotschaften zu verstehen.

Zu der oben erwähnten aktiven Medienarbeit gehört auch die Aufnahme und Bearbeitung von Bildern. Für den Lernerfolg ist es entscheidend, dass die Lernenden nicht nur ihre Mediennutzung reflektieren, sondern auch selber aktiv und kreativ Medien gestalten.

Zuerst folgen ein paar Unterrichtsideen rund um die Kompetenzstufe:
mit einem digitalen Gerät Fotos aufnehmen und an einem Bildschirm betrachten

Lieblingsort fotografieren: Gruppen bilden, den eigenen Lieblingsorte auf dem Schulhausareal/im Wald suchen und sich dort von den Mitgliedern fotografieren lassen. Danach Klassengespräch über die Wahl der Orte, die gemachten Erfahrungen usw.

Mit Einstellungsgrössen experimentieren: Die Kinder erhalten in einer Partnerarbeit den Auftrag verschiedene Einstellungsgrössen auszuprobieren und sich Gedanken zu der Bildwirkung zu machen. Eine hilfreiche Übersicht findet man auf der S. 57 im Heft “Medienzwerge“.

Buchstaben/geometrische Formen: In der näheren Umgebung des Schulhauses oder im Schulzimmer Buchstaben oder geometrische Formen (Unterrichtseinheit “Formendetektive” auf mi4u.ch) suchen und diese fotografieren. Evt. lassen sich diese Aufnahmen danach in einem eBook (mit der WebApp von Bookcreator) zusammenstellen.

Stimmungen fotografieren: Die Kinder gehen in Gruppen oder alleine nach draussen und suchen sich ein Motiv/einen Ort, welches entweder zu ihrer aktuellen Stimmung oder einer vorgegebenen Emotion passt und fotografieren dort. Die Fotos werden dann ausgedruckt und im Plenum gemeinsam betrachtet. Die Seite medienkindergarten.wien hat dazu eine spannende Unterrichtseinheit festgehalten.

Liegefotos: Auf dem Boden wird mit liegenden Gegenständen oder Menschen eine Szene arrangiert, die stehend nicht machbar wäre. Das Bild wird dann von oben fotografiert. Fliegen wird möglich, die unglaublichsten Kunststücke sind machbar. Bei jüngeren Kindern ist es wichtig, einen guten und sicheren Ort für die Fotoaufnahmen vorzugeben. Weiter Infos findet man hier.

Titel zum Bild finden: Pro Woche darf ein Kind eine Fotoaufnahme machen (Kriterium: keine Personen drauf) und gemeinsam in der Klasse wird zu dieser Aufnahme ein Titel gesucht. Das “Fotokind” der Woche darf anschliessend einen Titel für sein Bild auswählen.

Schulreise/Exkursion dokumentieren: Bereits vorgängig Gruppen bilden, klare Aufträge/Kriterien erteilen, klare Aufnahmezeiten abmachen. Die gemachten Fotos danach evt. bearbeiten (Tablet-Boardmittel oder einfaches Fotobearbeitungsprogramm), ausdrucken und in der Klasse besprechen.

Reimwörter fotografieren: In Kleingruppen können die Schülerinnen und Schüler zur Vertiefung des Themas Reimwörter in der Umgebung suchen und mehrere Fotos aufnehmen. Lassen sich gewisse Sachen nicht so einfach im Schulzimmer aufnehmen (z.B. echte Maus oder eine Laus), lassen sich Abbildungen in Büchern oder Zeitschriften fotografieren. Bei der Aufnahme der Wörter ist es wichtig, dass nicht zu viele Dinge auf dem Foto abgebildet sind. Sonst wird es später schwierig, beim Ansehen die Reimwörter zu finden.

Bildausschnitte: In Partnerarbeit arbeiten Kindern mit einem Bild (Nummer auf Rückseite) mit stark vergrössertem Bildausschnitt. Sie besprechen, was es darstellen könnte. Vorne liegen die Lösungen, d.h. das grosse Bild (Bildseite nach unten, Nummer auf der Rückseite), auf. Anschliessend selber solche Ausschnitte herstellen.

Bilder auf spielerische Weise bearbeiten: Foto von sich selber zuerst aufnehmen und anschliessend auf spielerische Art und Weise verändern (Sachen dazu zeichnen, wegradieren, Sprechblase hinzufügen etc.) oder ein Fehlerbild erstellen (Bild zweimal kopieren, eines als Original belassen, beim anderen Sachen verändern).

Weitere Unterrichtsideen findet ihr auf dem Blog der PH St. Gallen.


Zyklus 2

Viele Unterrichtsideen aus dem Zyklus 1 können ohne weiteres im Zyklus 2 durchgeführt, erweitert oder vertieft werden.

Mit der Zeit fallen sehr viele Fotos an. Deshalb sollte mit den Schüler/innen immer auch wieder thematisiert werden, wie die Bilder verwaltet werden können (Ordnerstruktur, Alben in Fotos-App anlegen). Sinnvollerweise werden auch die wichtigsten Bildbearbeitungsfunktionen eingeführt und regelmässig angewendet (Zuschneiden, Bildkorrektur, usw.).
Anleitung für die Schüler/innen: Fotos

Einfache Bildoptimierungen gezielt vornehmen: Bilder können mit Hilfe von verschiedenen Programmen optimiert werden. Die Einsatz und Aufgabenmöglichkeiten sind gross. Hier stellvertretend 2 Beispiele:

Zuschneiden: SuS verwenden nur den gewünschten Ausschnitt eines Bildes.

Helligkeit/Kontrast: SuS verändern Bilder spielerisch, in dem sie mit der Helligkeit und/oder dem Kontrast experimentieren. Ausgangslage ist z.B. ein Selbstportrait. Mögliches Ziel können PopArt Bilder sein (Andy Warhol).

Fotografische Gestaltungsmittel kennen und anwenden: SuS sind längst nicht mehr nur Konsumenten, sondern bereits Produzenten. Sicherlich kennen sie bereits verschiedene Tipp und Tricks für das Bilder machen. So kann die Wirkung von Perspektive, Licht usw. thematisiert werden (Selfiekultur).

Fotostory: Die SuS erstellen eine eigene Fotostory. Sie überlegen sich eine Handlung und erstellen einen Ablauf auf z.B. einem Storyboard. Die Fotos können anschliessend mit z.B. Book Creator, Comic Life, PowerPoint oder auch Word in eine Fotostory verwandelt werden.
> weitere Infos

Bildmanipulation: Bilder trifft man jeden Tag in jeder nur erdenklichen Situation an. Die Wirkung dieser Bilder kann SuS erfreuen, verstören oder auch verängstigen. Die SuS sollen erkennen, dass Bilder verändert werden. Nicht nur in Modemagazinen oder Werbung, sondern auch auf Instagram, Snapchat usw. Diese Thematik sollte mit den SuS besprochen werden. Ebenso können eigene Bildmanipulationen erstellt werden z.B. auf pixlr.com (siehe unten).
> Beispiel

Auf der Schülerplattform gibt es einen Fotografie-Kurs, der die Schüler/innen an gestalterische und medienbildnerische Aufgabenstellungen heranführt: https://wintablets.ch/fotografie
Verschiedene Einheiten können bereits gegen Ende des Zyklus 2 gemacht werden. Weitere Infos zum Kurs siehe unter Zyklus 3


Zyklus 3

Im Zyklus 3 kommen keine grundsätzlich neuen Kompetenzen mehr dazu, allerdings werden die Aufträge teilweise komplexer und offener. So ist denkbar, dass man mit einer geeigneten Software (z.B. Photopea oder Pixlr) Fotomontagen herstellt und sich somit auf einer anspruchsvolleren Ebene mit Bildmanipulationen auseinandersetzt.

Fotografie-Kurs

Neben dem Potential für das Dokumentieren und Erzählen ist die Fotografie auch ein grossartiges Werkzeug für gestalterische Experimente und medienbildnerische Betrachtungen. Hierfür wurde auf der Schülerplattform ein entsprechender Kurs mit verschiedenen Lerneinheiten zusammengestellt: https://wintablets.ch/fotografie

Der Kurs besteht (vorderhand) aus drei Teilen:

1 Gestaltung
In dieser Einheit lernen die Schüler/innen vier Gestaltungsregeln kennen und wenden diese mit verschiedenen Aufgabestellungen an.
Einbettung in Fachbereich: Bildnerisches Gestalten, evt. Medien und Informatik

2 Bildidee
Alle Fototechnik nützt nichts ohne originelle Bildidee. In dieser Lerneinheit steht das Kreativitätsraining und die Wahrnehmungsschulung im Zentrum.
Einbettung in Fachbereich: Bildnerisches Gestalten

3 Bildmanipulation
In dieser Einheit lernen die Schüler/innen Bilder zu «verschönern» und Fotomontagen zu erstellen. Neben den anwendungsspezifischen Kompetenzen werden hier natürlich v.a. Verbindungen zu medienbildnerischen Themenbereichen wie Werbung, Schönheitsideale, Rollenbilder, Fake News, Manipulation usw. eröffnet.
Neben der selbständigen Arbeit sollte das Thema unbedingt im Klassenverband besprochen werden. Für einen Input eignen sich beispielsweise folgende Inhalte:
Vorher-Nachher-Bilder aus der Modebranche
Dove Evolution (eine ganz normale Frau wird in ein Supermodel verwandelt)
Photoshop Pannen (Sammlung mit groben Schnitzern, nicht immer ganz jugendfrei…)
Einbettung in Fachbereich: Bildnerisches Gestalten, Deutsch, Medien und Informatik
> weitere Infos zu Bildmanipulation

Die Einheiten sind jeweils mit Zielstufe und Schwierigkeitsgrad markiert.


Apps und Tools

Fotos-App

Mit der eingebauten Fotos-App ist man schon recht gut bedient. Bilder lassen sich einfach bearbeiten und verwalten (z.B. in Alben organisieren).

> Seite für die Schüler/innen mit Tipps und Tutorials


Fotor

Über den Microsoft Store kann zudem die App Fotor geladen werden, die einen erweiterten Funktionsumfang hat. Interessant ist da v.a. die Collage-Funktion, mit der sich ein Thema fotografisch erkunden und verdichten lässt. Die Schüler/innen werden die vielen Filter und Effekte lieben…

> Unterrichtsmaterialien zu Fotor von Deborah Troxler

> Seite für Schüler/innen


Pixlr

Pixlr ist eine Webplattform die verschiedene Foto-Tools vereint. Pixlr Express ist ein einfaches Tool das vom Funktionsumfang ähnlich wie Fotor ist (auch mit Collage-Funktion), sogar eher noch daraüber hinaus geht.  Pixlr Editor ist dagegen ein ausgewachsenes Bildbearbeitungsprogramm, das sich gratis und ohne Account online nutzen lässt. Natürlich kann es Pixlr bezüglich Funktionsumfang nicht mit Photoshop & Co aufnehmen, die Grundprinzipien eines modernen Bildbearbeitungsprogramms wie Ebenen, Alphamasken, und Filter sind aber vorhanden, ausserdem muss man natürlich nichts installieren.

> Einführung und Videotutorials


Photopea

Photopea ist eine webbasierte Bildbearbeitungssoftware, das sich gratis und ohne Account online nutzen lässt. Natürlich kann es Photopea bezüglich Funktionsumfang nicht mit Photoshop & Co aufnehmen, die Grundprinzipien eines modernen Bildbearbeitungsprogramms wie Ebenen, Alphamasken, und Filter sind aber vorhanden, ausserdem muss man natürlich nichts installieren. Die Webapp eignet sich hervorragend, um Schüler/innen für die Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Bildbearbeitung zu sensibilisieren (Schönheitsideale, Fake News, …). Allerdings ist die Bedienung nicht ganz einfach. Die Grundtechniken können sich die Lernenden anhand von Videotutorials selber beibringen…
> Seite für Schüler/innen mit Selbstlernkurs


Tipps und Links

Dossier «Tablet-Fotokamera» von François Segessemann
Geniales Dossier mit tollen Unterrichtsideen

http://www.schabi.ch/seite/digitalbilder
Empfehlenswerte Linkliste

https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2012/12/15/fotoprojekte-mit-kindern/
Hilfreicher Blogbeitrag zu Fotoprojekten mit Kindern

http://www.digitalpro.ch
Viele Ideen und Unterrichtsmaterialien zum Fotografieren im Unterricht

https://fotoikonen.jimdo.com
Tolle Sammlung von Ideen und Materialien zu Fotografie